Interviews

„Wir haben eine Notstandssituation“

sagt Kai Schorn. Der Berliner Internist und Bundesvorsitzende der Hausarztinternisten setzt auf Videosprechstunde und rechnet damit, dass die digitale Medizin nach der Corona-Krise schneller kommen wird.

Warum wollen Sie jetzt Videosprechstunden anbieten?

Aus Infektionsschutzgründen wollen wir so wenig Patienten wie möglich in der Praxis haben. Nur die Videosprechstunde gilt alternativ als Arzt-Patienten-Kontakt. Ohne die Möglichkeit können wir die Praxis im nächsten Quartal nicht aufrechterhalten. Telefonische Beratungen gelten nach aktuellem Recht nicht als Arzt-Patienten-Kontakt.

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung und Beratung?

Jede Praxis ist auf sich gestellt, hier hätte es mehr Empfehlungen oder auch eine Anleitung seitens der Kassenärztlichen Vereinigungen oder des Robert Koch-Instituts geben können. Der aktuelle Influenza-Pandemie-Plan ist sechs Jahre alt und nur wenigen Praxen bekannt.

Welche digitale Innovation würde Ihnen jetzt konkret helfen?

Wir machen sehr viel über E-Mail. Dann prüfen wir, ob wir Rezepte auch per E-Brief verschicken können. Außerdem versuche ich gerade WhatsApp Business zu aktivieren, um einen weiteren Kommunikationskanal aufzumachen.

Ist die App überhaupt zulässig?

Das weiß ich nicht, das ist mir im Moment egal. Wir haben eine Notstandssituation.

Wie melden Sie bisherige Infektionsfälle?

Das ist eine Katastrophe. Wir haben in Berlin so viele Start-ups und Technologieunternehmen und müssen das allgemeine Meldeformular für meldepflichtige Erkrankungen benutzen, wo Covid-19 noch nicht mal vorkommt. Das müssen wir händisch ausfüllen und per Fax an das Gesundheitsamt schicken.

Wie geht es nach der Coronakrise mit der Digitalisierung der Medizin weiter?

Es muss sich etwas ändern. Das fängt bei den Netzkapazitäten an. Aktuell brechen die Netze oft zusammen, man kann zum Teil nicht einmal telefonieren. Durchsetzen wird sich hoffentlich auch eine moderne Telematik-Infrastruktur, mit der wir Meldungen einfach und sicher verschicken können. Ich rechne fest damit, dass all das jetzt schneller kommen wird.

Was raten Sie Ihren Patienten in den nächsten Wochen?

Abstand halten und zuhause bleiben!