Interviews

Plattform für Schnelltests in den Apotheken

In der Teststrategie des Bundes kam den Apotheken vor Ort eine bisher untergeordnete Rolle zu – doch der flächendeckende Zugang zu Corona-Tests bekommt angesichts steigender Zahlen eine immer größere Relevanz. Jens Psczolla, Geschäftsführer der Konzept A – Konzepte für Apotheken GmbH, hat jetzt mit einigen Partnern die Plattform Schnelltest-Apotheke.de für Endkunden und Apotheken entwickelt, die Schnelltests anbieten und durchführen [Erklärvideo] möchten, um ihren Kund:innen vor Ort ein Angebot zur Verfügung zu stellen.

In Berlin schießen aktuell überall Testzentren aus dem Boden. Wieso meinen Sie, es gäbe einen noch größeren Bedarf, den bspw. Apotheken auffangen sollten?
Berlin ist nicht überall. Die Infrastruktur von Testzentren gerade in kleineren Ortschaften ist recht überschaubar. Die weitaus bessere Idee ist es, die Apotheken vor Ort in der Logistik bzw. im Prozess zu unterstützen, Tests bzw. deren Ergebnisse weiterverarbeiten zu können.

Und an welcher Stelle kommt in diesem Szenario die Plattform ins Spiel?
Direkt zu Beginn des Prozesses, wenn Sie, symptomfrei, den Wunsch haben, sich testen zu lassen. Dann haben Sie über die Plattform die Möglichkeit, die Apotheke vor Ort zu finden, die nicht nur Tests anbietet, sondern können auch sofort einen Termin buchen, so dass es gar nicht erst zur Rudelbildung kommt, wie sie vor den Testzentren häufig beobachtet wird. Sie bekommen Termin und Authentifizierungs-QR-Code, gehen zur Apotheke, weisen sich aus, werden getestet und bekommen 20 Minuten später datenschutzkonform Ihr Ergebnis aufs Handy. Denkbar, dass Ihnen damit, wie an einigen Orten aktuell diskutiert, weitere Rechte eingeräumt werden. Positive Ergebnisse werden direkt an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet.  

Über die Terminierung hinaus nimmt die webbasierte Plattform der angeschlossenen Apotheke alles ab, was an Infrastruktur, Formularen und Meldewesen an so einem Test hängt. Wir stellen infolge des Onboardings Checklisten, Schriftstücke zur Gefährdungsbeurteilung und die Anbindung an die jeweiligen Gesundheitsämter zur Verfügung; diese müssen zwar individualisiert werden, doch dies ist ein geringfügiger Aufwand.

Was kostet die Apotheke dieser Service?
Für das Onboarding, Einweisen, Einstellen erheben wir eine einmalige Servicegebühr von 149,- Euro und im weiteren Verlauf bekommen wir 1,05 Euro/ pay-per-Test sozusagen, dies wird über unseren Partner Covisa abgewickelt – ohne Kleingedrucktes im Sinne von Mindestabnahmen etc.

Welche Vorbereitungen müssen die Apotheken jenseits Ihres Service treffen, um als Teststelle fungieren zu können?
Hier kann sich die Apotheke an unserer Checkliste abarbeiten – wie Schutzausrüstung, Plexiglas-Schutz und Genehmigung des jeweiligen Gesundheitsamtes. Dieses Procedere ist in der Tat je Bundesland unterschiedlich. Während in Bayern auch alle Apotheken testen dürfen, gibt es in anderen Bundesländern andere Auflagen der Landratsämter – auch diese Informationen haben wir zusammengetragen.

Haben Sie schon Zahlen, die weitere Argumente für Ihr Angebot liefern?
Sie meinen, jenseits der Tatsache, dass eine möglichst bequeme Teststruktur eine der Säulen zurück zu mehr Normalität für uns alle ist? (lacht) Aber ja, in der Tat haben mich die gestrigen Zahlen auch ein bisschen überrascht. Dazu müssen Sie wissen, Apotheken dürfen nur symptomfreie Personen testen – also ohne Anfangsverdacht. Und vor dem Hintergrund, dass unser Angebot ja gerade einmal seit einer Woche in der Welt ist, hat es mich doch überrascht, dass bei den bislang ca. 160 mitmachenden Apotheken rund zwei Prozent der Getesteten positiv waren, die sofort in Quarantäne gingen – und nun heute eben nicht mehr nichtsahnend und „fröhlich spreadend“ durch die Gegend laufen. Das lässt doch hoffen, dass Viel auch wirklich viel hilft!