Interviews

Melde-Tool für Gesundheitsämter

Die erfolgreichen Teams des #WirvsVirus- Hackathons der Bundesregierung sind flügge geworden und kommen in der Versorgungsrealität an. Das Team um Andrey Eganov, Achim Löbke und David Baldsiefen arbeitet bundesweit an einem Meldesystem für Gesundheitsämter, das die Erfassung von Infektionsfällen beschleunigen und bündeln soll. IMIS = Infektionsmelde- und -informationssystem hat es ins Solution Enabler Programm geschafft. David Baldsiefen gibt Einblicke in den Entwicklungsstand.

Welches Problem der Gesundheitsämter löst Ihr mit IMIS?
Wir starteten beim Hackathon im Themenfeld „Infektionsfall-Übermittlung“ eigentlich mit der Idee eines Test-Tracing-Programms und sind dann in Gesprächen aber schnell darauf gekommen, dass die Probleme der Gesundheitsämter doch ganz woanders liegen.

Nämlich wo?
In der Handarbeit, in der analogen Erfassung von Patienten und dem Papierprozess der darauf folgt, wenn ein Patient angelegt wurde. Das alles entspricht weder einer effizienten noch einer sicheren Meldekette.

Wie also sieht Eure Lösung IMIS aus?
Wir haben für, aber vor allem in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Saarbrücken dieses Meldesystem mit einer intuitiven Benutzeroberfläche entwickelt, die den Mitarbeitern alle Informationen bereitstellt, die Patienten aber automatisch mit einbezieht. Weitere Funktionen sind die Quarantäne-Anordnung und Infektionsketten-Nachverfolgung.

Erklär‘ bitte einmal die Funktionsweise.
Hat ein Patient den Verdacht, er könnte sich mit Corona infiziert haben, meldet er sich entweder bei seinem Hausarzt oder er ruft die Hotline des örtlichen Gesundheitsamtes an. Ärzte, Gesundheitsämter oder die betroffene Person selbst können dann die persönlichen Daten sowie Symptome, aber auch mögliche Kontaktpersonen in IMIS erfassen. Über das System ordnet das Gesundheitsamt direkt einen Corona-Test an. Solche Verdachtsfälle erhalten eine Identifikationsnummer und einen QR-Code. Dieser wird an der Teststelle registriert, weil alle wichtigen Informationen bereits hinterlegt wurden. Die an der Teststelle entnommene Probe werde dann mit der ID verknüpft und ans Labor geschickt. Dort wird das Ergebnis der Probe ebenfalls in IMIS erfasst. Das System informiert dann automatisch Gesundheitsamt, Arzt und Patient.

Wie geht es für Euch als Team weiter? Habt Ihr alle schon Euren alten Jobs gekündigt?
(Lacht.) Nein, auf keinen Fall. Es wäre toll, wenn unsere Lösung dazu beiträgt, die wichtige Arbeit der Gesundheitsämter zu unterstützen. Dafür sind wir jetzt auch eine Kooperation mit Sormas eingegangen, deren Software im Hintergrund sehr schlau ist und in Kombination mit unserer benutzerfreundlichen Oberfläche sehr gut funktioniert. Aber momentan ist es für uns alle erstmal eine großartige Erfahrung in dieser Zeit, an dieser Stelle mitwirken zu dürfen.

Wer wissen will, wie das Infektions- und Informationsmeldesystem funktioniert, kann sich auf der Internetseite des Teams eine Demoversion anschauen.