Interviews

Die DiGAs kommen! Informationen sind gefragt

Bald ist es soweit und die ersten Digitalen Gesundheitsanwendungen können in den Praxen verschrieben werden. Viele schauen noch mit einer gewissen Scheu auf die neuen Therapiemöglichkeiten Ein Gespräch mit Dr. Stephan Hofmeister, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), über Automatismen und die Notwendigkeit, Prozesse neu zu definieren.

Wenige Wochen vor dem tatsächlichen Start der DiGAs scheint eine angespannte Ruhe zu herrschen – welchen Eindruck haben Sie von der Erwartungshaltung der Ärzt:innen?
Die Erwartungshaltung scheint mir momentan noch sehr heterogen zu sein. Da gibt es sicherlich Neugierige, aber auch diejenigen, die nicht so genau wissen, was da auf sie zukommt und sich fragen, welchen Einfluss diese neuen Leistungen auf die Behandlungsabläufe haben werden.

Ist der Verschreibungsprozess noch erklärungsbedürftig?
Nach derzeitigem Stand ist bei der Verordnung lediglich die Diga-ID und die Verordnungsdauer anzugeben. Aber die Verordnung ist selbstverständlich nur ein kleiner Teil dieser neuen Leistung. Ob dies gelingen wird, die digitalen Gesundheitsanwendungen in die Behandlungskonzepte der Ärzte und Psychotherapeuten einzubeziehen, hängt sicherlich auch davon ab, dass sie eine überzeugende Datenlage haben und mit ihnen ein Mehrwert für die Therapie und damit für die Patienten geschaffen werden kann. Um dies beurteilen zu können, benötigen wir strukturierte und verlässliche Informationen, auf die wir jetzt alle warten. Außerdem dürfen kein bürokratischer Mehraufwand und keine Haftungsrisiken bezüglich der Anwendung für die Praxen entstehen. Die im Vergleich zu Arzneimittelverordnung höheren ärztlichen Zeitaufwände für die Aufklärung zu DiGAs und die Verlaufskontrolle der Nutzung müssen angemessen honoriert werden.

Wie gespannt sehen Sie auf die neuen Entwicklungen?
Ich bin gespannt darauf, wie sich dieses neue Feld entfalten wird. Einige Ärzt:innen und Patient:innen werden diese neuen Möglichkeiten sicherlich nutzen wollen. Es ist gut, dass mit einer überschaubaren Zahl angefangen wird. Dies bietet die Chance, dass die DiGAs zeigen können, dass sie einen erkennbaren Mehrwert für die Behandlung bieten.

Wer wird die treibende Kraft in der DiGA-Verordnung sein: Ärzt:in oder Patient:in?
Das wird stark von der Art der DiGAs und der Art der „Bewerbung“ derselben abhängen. Ich kann mir vorstellen, dass insbesondere Patient:innen mit chronischen Erkrankungen, die ihre Krankheit selbst gut managen und die Entwicklungen aufmerksam verfolgen eine intrinsische Motivation haben, so etwas auszuprobieren, wenn es eine passende DiGA gibt. Sicher wird es auch einzelne Ärztinnen und Ärzte geben, die das Ausprobieren werden.

Neben Ärzt:innen können auch psychologische Psychotherapeut:innen DiGA verordnen – Welche Fragen stellen sich hier?
Zunächst stellte sich die Frage, ob auch psychologische Psychotherapeut:innen auf Formular 16 (dem Arzneimittelrezept) verordnen dürfen: Die Antwort ist ja! Um die Verordnungsdaten auf das Formular aufzutragen, gibt es dann entweder die Möglichkeit die Daten direkt aus dem Praxis-Verwaltungssystem zu übernehmen. Dafür muss aber eine Arzneimitteldatenbank integriert sein, denn darüber werden zumindest zu Beginn des Verfahrens die Daten des Diga-Verzeichnisses hinterlegt werden. Dies ist nicht bei jeder Software von Psychotherapeuten der Fall. Alternativ kann auf die Verzeichnisstruktur des BfArM über den Browser zugegriffen werden. Ansonsten können die Formulare auch händisch ausgefüllt werden.