Interviews

„Die Corona-Datenspende-App ist eine gute Generalprobe“

Frank Stratmann (@betablogr) ist ein RKI-Datenspender der ersten Stunde. Er arbeitet als Mentor und Wissensarbeiter mit Akteuren der versorgenden Gesundheitsunternehmen im Bereich Digital Health. Er berät die AOK Baden-Württemberg als Beirat Digitalisierung, arbeitet für Edenspiekermann an digitalen Lösungen und koordiniert bei Raylytic – einem Spezialanbieter für medizinische Datenautomation und Ökosystemen für klinische Daten – die Kommunikation in einem vom BMWi geförderten KI-Projekt. Mit uns sprach er über Nutzung und erhofften Chancen.

Du bist „Spender“ der ersten Stunde. Wieso warst du von Anfang an bereit, Deine Fitbit-Daten an das RKI zu spenden?

Schon seit Jahren behaupte ich, dass der Tag kommt, an dem wir Daten so selbstverständlich spenden werden, wie heutzutage Blut. Wobei die Blutspende auch heutzutage noch besser angenommen werden dürfte. Ich vermesse mich seit mehr als 20 Jahren selbst und bin zunächst einmal gespannt, ob die Fitbit Daten überhaupt eine Aussagekraft haben. Sicher wird die Evaluation auch für mich als Nutzer einige wichtige Rückschlüsse zulassen.

Wie kompliziert war die Anmeldung/ ist die Pflege der App?

Die kurzen Anlaufschwierigkeiten wegen angeblicher Ungültigkeit meiner Postleitzahl konnte binnen weniger Stunden geklärt werden und das Onboarding empfand ich als sehr einfach und nachvollziehbar. Man wird gut geführt. Tatsächlich läuft die App jetzt quasi im Hintergrund und ich schaue gelegentlich, ob ich auch wirklich spende. Da könnte man noch am Feedback arbeiten.

Wie viel Gedanken hast du Dir im Vorfeld über den Datenschutz gemacht?

Die letzten Jahre sehr viel und deshalb war das jetzt nicht mehr so anstrengend. Da wir alle betroffen sind, wäre das eine gute Gelegenheit für alle anderen, sich ebenfalls einmal konkret damit auseinanderzusetzen. Ich konnte schnell nachvollziehen, was man da von mir will und wie weit das geht. Ein gewisses Maß an Grundvertrauen bleibt nötig. Wichtig war mir, dass ich jederzeit der Nutzung meiner Daten widersprechen und meine Entscheidung auch wieder rückgängig machen kann. Datenschutz wird häufig sehr elitär diskutiert. Gut gemacht stecken in der Datenspende enormes Potenzial, die wir künftig nicht außer Acht lassen können.

Was sagst du zur aktuellen Diskussion rund um die Datenspende-App des RKI?

Mir war gleich klar, dass die App eine gute Chance ist für eine Generalprobe. Einerseits für die hinreichende technische Umsetzung. Andererseits für den gesellschaftliche Diskurs und natürlich zur Bedeutung von Datenspenden allgemein. Wenn das jetzt anlassbezogen mit der Bevölkerung trainiert wird, kann sich daraus ein neues Paradigma ergeben und die datengestützte Medizin kommt unter Berücksichtigung guter Ergebnisse und mit der Teilhabe der Menschen raus aus der Ecke der Spekulationen über das Für und Wider.

Was wäre für dich ein Killer-Argument für Deine weitere Spende?

Jegliche Unregelmäßigkeit – egal mit welchem Umfang – wäre Anlass, die Datenspende sofort zu stoppen. Natürlich kann man das selbst nicht immer umfänglich einschätzen. Zum Glück kennen wir berufene Stellen, die solche Vorhaben sehr kritisch begleiten. Wichtig wäre mir aber eben auch, ob insbesondere Fitbit Daten überhaupt sinnvoll genutzt werden können. Mit einer sehr subjektiv empfundenen, eher unregelmäßigen Dokumentation meiner Herzfrequenz kann ich mir vorstellen, dass auch falsche Rückschlüsse gezogen werden könnten, wenn daraus andere Parameter errechnet werden sollen. Hier bin ich – nicht nur als professioneller Beobachter – an weiteren Ergebnissen des Projekts sehr interessiert.