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Coronavirus: Videosprechstunden unbegrenzt möglich

So titelten gestern die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband (GKV-SV). Ein Aufatmen für Patienten, Ärzte- und Psychotherapeuten. Die Änderungen im Überblick, die vorerst für das zweite Quartal gelten und am 31. Mai überprüft werden sollen:

  • Begrenzungsregelungen werden aufgehoben. Damit sind Fallzahl und Leistungsmenge übergangsweise nicht mehr limitiert.
  • Konsultationen per Video sind fortan bei allen Indikationen möglich, auch dann, wenn der Patient zuvor noch nicht bei dem Arzt in Behandlung war.
  • Für das laufende erste Quartal erfolgt keine Aussetzung, da beide Seiten davon ausgehen, dass die 20-Prozent-Marke nicht erreicht wird.

Lesen Sie hier die vollständige Meldung.

Interview mit Dr. Sabine Maur

Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, zum gestrigen Beschluss von KBV und GKV-SV zur Öffnung der Möglichkeiten, Videosprechstunden für eine breitere Patientengruppe anzubieten.

Welche praktischen Vorbereitungen mussten Sie für Ihre erste Sitzung treffen?

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat ausführliche Informationen zu den technischen Voraussetzungen veröffentlicht, die Bundespsychotherapeutenkammer eine Broschüre zur Videosprechstunde herausgegeben. Die Anmeldung bei den zertifizierten Anbietern fand ich sehr unkompliziert, auch der Zugriff für die Patient*innen ist kein Problem, es ist dafür nicht einmal ein Download des Programmes nötig. Manche Anbieter sind kostenlos. Die zertifizierten Videosprechstunden-Anbieter sind aktuell allerdings teilweise überlastet, so dass wir erhebliche technische Probleme haben. Videotherapie per Skype ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erlaubt.

Wie hat sich Ihr Berufsstand in den vergangenen Tagen entwickelt, und welche Diskussionen wurden geführt?

Der Berufsstand hat aus meiner Sicht sehr positiv reagiert: flexibel und schnell. Wir haben über die Kammern und Verbände sofort die Kolleg*innen informiert, und viele haben zeitnah begonnen, ihre Patient*innen telekommunikativ zu versorgen. Im Moment werden dazu wenig Diskussionen geführt, weil dazu keine Zeit ist und es Pragmatismus braucht. Wir werden jetzt sehr viele Erkenntnisse sammeln über die Videotherapie: was funktioniert gut, für welche Patient*innen ist das weniger geeignet, was sind neue Möglichkeiten, was sind Probleme usw. Das werden wir dann in Ruhe reflektieren, wenn die Zeit dafür ist. Für grundlegende Informationen zu Digitalisierung und Psychotherapie wird unsere Kammer in dieser Woche eine ausführliche Broschüre inklusive Podcast veröffentlichen.

Welche Erfahrungen konnten Sie während Ihrer erste Sprechstunde für sich sammeln und wie hat es sich für Ihre Patienten angefühlt?

Ich arbeite vor allem mit Jugendlichen, für die war das gar kein Problem. Obwohl auch einige danach sagten, sie sind froh, wenn sie wieder in die Praxis kommen können, das sei „ihr Ort für Therapie“. Eine interessante Rückmeldung. Schwieriger ist die Videotherapie natürlich mit unseren jüngeren Patient*innen, da hier in der Regel sehr viel über die direkte, spielerische Interaktion läuft, und für viele ältere Patient*innen, die nicht so technikaffin sind. Hier brauchen wir weitere Lösungen, z. B. die Abrechnungsmöglichkeit für Telefonate. Auf dem Land wiederum gibt es praktische Probleme für die Videotherapie wegen des mangelnden Internetausbaus. Und bei privaten Krankenkassen ist bisher keine Videotherapie möglich.

Sie waren schon immer für Videosprechstunde – wieso haben auch Sie erst in der Krise damit angefangen?

Es war sofort klar, dass wir uns in dieser Krise bewegen müssen, um unsere Patient*innen mit psychischen Erkrankungen noch versorgen zu können. Das hat uns in Bewegung gebracht. Wir brauchen jedoch auch noch dringend die Freigaben für die Akuttherapie, um Menschen in akuten Krisen ebenfalls per Video helfen zu können.