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Agile Gesundheitspolitik

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens hat unbestritten in den letzten vier Jahren an Fahrt aufgenommen. Die digitale Selbstblockade der Selbstverwaltung scheint passé: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), Video-Sprechstunden und elektronische Patientenakte (ePA) sind inzwischen Bestandteil der Regelversorgung.

Der neue agile Politikstil kann Vorbild für künftige Gesundheitsreformen sein, so eine neue Expertise der beiden Wissenschaftler Prof. Dr. Nils C. Bandelow und Johanna Hornung von der TU Braunschweig im Auftrag der Bertelsmann Stiftung („Agile gesundheitspolitische Politikgestaltung“). Im Unterschied zum klassischen konsensualen Politikstil zeichnet sich ein agiler Politikstil dadurch aus, dass ein politisches Ziel definiert wird und politische Maßnahmen daraufhin stückweise erarbeitet, auf ihren Nutzen überprüft und ggf. nachjustiert werden. Herausforderungen sollen frühzeitig erkannt und entstehende Probleme schnell überwunden werden. Die Einbindung und Vernetzung von anerkannten Expert:innen und regelmäßige Kommunikation sollen den Erfolg fördern und sicherstellen.

Die DiGA sind der Expertise zufolge ein gutes Beispiel für den neuen agilen Politikstil: Neue digitale Lösungen wurden in die bisherigen Strukturen der Kostenerstattung der Kassen eingeführt. Die Grenze ziehen die Wissenschaftler dagegen bei politisch umstrittenen, insbesondere ideologischen Vorhaben wie die Einführung einer Bürgerversicherung oder die Einführung von Fallpauschalen. Entscheidend seien die frühzeitige Formulierung von gesundheitspolitischen Zielen, das Testen von innovativen Lösungen in Modellprojekten und eine klare und verständliche Kommunikation.